steidl35FCN-Magazin befragt Vorstand Dirk Steidl

" ...dann sind wir trotzdem Sieger"

FCN-Magazin: Eine ereignisreiche Saison endet mit dem heutigen Spiel. Dein Fazit – bitte aber mit „Tiefgang“.

Dirk Steidl: Wir haben als FCN, und das ist weit mehr als nur unser Aushängeschild Oberliga-Mannschaft, so viel erreicht, dass es schwer werden wird, im neuen Geschäftsjahr, in der neuen Runde nicht zu enttäuschen.

FCN-Magazin: Wie wird der Verein den wahrscheinlichen Nichtaufstieg verdauen?

Dirk Steidl: Ich glaube, insgesamt gut. Natürlich sind wir alle in Balingen im Tränenmeer beinahe ertrunken. Nun aber setzen wir zunächst auf den „Leverkusen-Unterhaching-Effekt“. Und wenn wir tatsächlich doch „nur“ zweiter Sieger werden sollten, dann sind wir trotzdem Sieger. Natürlich wäre dies für die Spieler und für die Trainer Michael Wittwer, Dubravko Kolinger und Jan Maag ein wirklicher Schlag ins Kontor – zumal, zusätzlich zur sportlichen und imagemäßig „gefühlten Niederlage“, noch die im Aufstiegsfall fällige „Gehaltserhöhung“ wegfallen würde.

FCN-Magazin: Stichwort „Finanzen“. Dem Verein entgeht doch auch eine hohe Summe der sogenannten Fernsehgelder, die er doch sicher hätte gut gebrauchen können? Und die Sponsoren hätten oder würden sich bei einem Aufstieg sicher auch spendabler zeigen.

Dirk Steidl: Beides sehe ich anders. Die DFB-Gelder müssen wir eher als durchlaufenden Posten betrachten. Weil gleichzeitig auch die Ausgaben wie SR-Kosten, Verbandsabgaben, Reise- und Übernachtungskosten, Sicherheitsaufwand usw. in der Regionalliga ungleich höher sein werden. Und sich die Personalkosten für Trainer und Spieler (siehe oben) auch erhöhen würden. Beim Sponsoring sind wir dagegen guten Mutes, dass unsere Partner sehr wohl unsere tolle Runde honorieren – auch wenn uns die Krönung versagt bleiben sollte.

FCN-Magazin: Hat die Entscheidung über den Aufstieg Konsequenzen im Hinblick auf den Spielerkader?

Dirk Steidl: Klares Nein. Auch wenn die nächstjährige Regionalliga-Saison keinen Absteiger haben wird, benötigen wir eine starke Truppe. Weil zu viele Niederlagen, auch wenn sie keine Abstiegs-Konsequenzen entfalten, den ganzen Verein mit einer Tristesse belasten würden, die sich auf vielen Ebenen negativ auswirken würde. Und wenn wir nicht aufsteigen, dann müssen wir uns in der nächsten Oberliga-Saison ganz gewaltig auf die Hinterbeine stellen, um den gewünschten attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen zu können. Dieser Notwendigkeit haben und werden wir Rechnung tragen. Wir haben alle Akteure, die wir halten wollten, auch halten können. Und werden uns noch auf einigen Positionen sinnvoll zu ergänzen wissen.

FCN-Magazin: Der Nachbar Spielberg hat den unglücklichen letztjährigen Abstieg sofort repariert und das erste Duell Mittelbaden gegen Mannheim zu seinen Gunsten entschieden.

Dirk Steidl: Eine tolle Leistung, zu der wir herzlich gratulieren. Der SVS hat vieles mit uns gemein, in dem er es immer wieder schafft, mit einer ähnlich gelagerten Vereinsstruktur ebenfalls aus wenig viel zu machen. Falls wir in der Oberliga bleiben müssen, werden diese beiden Spiele wieder zu den Saison-Highlights zählen.

FCN-Magazin: Die Zweite steht naturgemäß etwas im Schatten – wie bewertest Du deren Entwicklung und Ergebnis?

Dirk Steidl: Mit großer Hochachtung vor der „ewigen“ Aufbauarbeit von Adolf Weidlich, dem es zusammen mit Ralf Möhle wiederum gelungen ist, mit dem dritten Rang mehr als nur ein Ausrufezeichen zu setzen.

FCN-Magazin: Ein Fazit zum Juniorenfußball und zur Zusammenarbeit mit dem FCA Wilferdingen innerhalb der SG Remchingen.

Dirk Steidl: Jürgen Steimle und Herbert Stamminger sowie die Trainer und Betreuer haben es mit einem großen Beharrungsvermögen und viel Herzblut geschafft, den vor fünf Jahren definierten Standard zu erreichen. Sportlich als Nummer eins in der Region inzwischen auf einem enorm hohen Niveau, die aber auch Fußball à la Breitensport anbietet – und das Ganze erfolgt auf dem schwierigen Terrain zweier Vereine, die jeweils ihre eigene Identität bewahren wollen sowie mit zu knappen Trainings- und Spielmöglichkeiten zu kämpfen haben. Großes Kompliment.

FCN-Magazin: Stichwort „Knappe Trainings- und Spielmöglichkeiten“ - was meinst Du damit?

Dirk Steidl: Die Kapazitäten der beiden Trägervereine reichen hinten und vorne nicht aus, um den enorm angestiegenen Trainings- und Spielbetrieb der vielen Juniorenmannschaften aufnehmen zu können. Unsere mittelfristige Planung sieht den Bau eines Kunstrasenplatzes unter Einbeziehung der früheren Tennisplätze vor.

FCN-Magazin: Schuldenabbau und infrastruktureller Investitionsbedarf – Quadratur des Kreises oder doch machbar?

Dirk Steidl: Erstens ist uns sehr an einem guten Verhältnis zum Gemeinderat und der Gemeindeverwaltung gelegen, was nach Ausräumung einiger Irritationen inzwischen auch so vorhanden ist. Wir anerkennen deren Wollen zu einer möglichst gerechten Vereinsförderung und kennen die damit verbundenen Schwierigkeiten. Das Markenzeichen eines guten Kompromisses ist es halt, dass keine der beiden Seiten rundum zufrieden ist. Wir müssen daher zur Beseitigung unserer infrastrukturellen Schwachstellen noch mehr als bisher schon selbst realisieren – und finanzieren. So bei den aktuellen Projekten „Sanitärtrakt“, „Einfriedigung Trainingsgelände“ und „Neuer Stadionrasen“ - aber auch beim dann noch restlich ausstehenden „Kunstrasenplatz“. Solange muss der Abbau unserer überschaubaren restlichen Verbindlichkeiten zurückgestellt werden

FCN-Magazin: Diese Eigenfinanzierung setzt doch dann aber voraus, dass die jährliche Gewinn- und Verlustrechnung Überschüsse ausweist? Was doch den meisten Vereinen in den oberen Ligen schon lange nicht mehr gelingt?

Dirk Steidl: Auch in dieser existentiell entscheidenden Frage haben wir zukunftsfähige Lösungen gefunden. Alle Anstrengungen unternehmen, um so viel als möglich ehrenamtliches Engagement auf Dauer zu erhalten. Innovativ und sparsam wirtschaften, Die möglichst große Anzahl von Sponsoren nicht nur als „Melkkuh“ sehen, sondern über ein partnerschaftliches Miteinander für den Verein dauerhaft begeistern.

FCN-Magazin: Hat sich die vor Jahren geänderte Vereinsstruktur mit einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat und mit Dir als hauptamtlichen Vorstand sowie einer sogenannten erweiterten Vereinsleitung bewährt.

Dirk Steidl: Alle Gremien unseres Vereines sind sich in dieser Frage einig, dass das der Schlüssel unseres Erfolges ist, ja, dass es gar nicht anders möglich ist, einen Verein mit dieser Größe und Bedeutung für Remchingen und für die Region zu führen. Im Übrigen haben inzwischen schon einige andere Fußballvereine unser Modell übernommen.

FCN-Magazin: Was steht heute und in den nächsten Tagen sowie in der kurzen Sommerpause für Dich auf dem Programm?

Dirk Steidl: Ich hoffe, dass mir Illertissen eine Programmänderung verschaffen wird – und wir, natürlich erneut völlig ungeplant, doch noch feiern können. Dann besuchen wir auf Ibiza einen Sponsor und lassen dort die Saison ausklingen. Anschließend darf ich das das Projekt „Neuer Stadionrasen begleiten, mit dem bereits am kommenden Dienstag begonnen wird. Gleichzeitig die Vorbereitungsarbeiten zur neuen Saison erledigen, unseren Ehrenamtlichen beim Helferfest danken – und dann wird auch schon wieder das Training begonnen haben.

FCN-Magazin: Die Kooperation mit dem Basketballclub Grüner Stern Keltern ist ungewöhnlich. Gibt es Gründe, die der diesbezüglichen Pressemitteilung nicht zu entnehmen waren?

Dirk Steidl: Nein – aus unserer Sicht ist unser Beitrag zur Kooperation eher eine Hilfe, die dem GSK hilft und uns nicht schwer fällt. Mal sehen, was dazu die Zukunft bringt. Man hatte auch schon gemutmaßt, dass wir damit nur Bayern München nacheifern wollten …...

FCN-Magazin: Du hättest drei Wünsche frei, deren Inhalt sich aber um den FCN beschäftigen muss?

Dirk Steidl: Am Samstag die Meisterschaft zu feiern, über eine optimale Infrastruktur zu verfügen und dass alles andere so weiter geht wie bisher.

FCN-Magazin: Vielen Dank für dieses Interview.