kolinger vfb38„Ich bin kein Starspieler“

Neu beim FCN: "Dubi“ Kolinger

Dubravko Kolinger (34) braucht keine lange Eingewöhnungsphase. Beim FC Nöttingen, seinem neuen Verein, fühlt sich der Ex-Profi nach gut einer Woche schon pudel wohl. Im Interview mit PZ-Redakteur Dominique Jahn spricht der Defensivspezialist über seine ersten Eindrücke.

PZ: Herr Kolinger, haben Sie sich beim FC Nöttingen schon eingelebt?
Dubravko Kolinger: Ja, natürlich. Das dauert bei mir nicht lange. Ich bin zwar erst seit anderthalb Wochen dabei, aber die Jungs, der Trainer und die Verantwortlichen haben mich gleich gut aufgenommen.

PZ: Wie kam es denn zum Wechsel nach Nöttingen?
Kolinger: Ich wollte eigentlich schon mit dem Fußballspielen aufhören. Doch beim Allstar-Turnier in der Fritz-Erler-Halle in Pforzheim, wo ich mit dem KSC gespielt habe, traf ich meinen Freund Dirk Steidl. Wir haben eine ganze Weile geplaudert und am Schluss unseres Gesprächs hat er mich dann zu einem Wechsel nach Nöttingen überredet gehabt.

PZ: Und wie waren die ersten Trainingseinheiten?
Kolinger: Gut. Das Training war wunderbar. Wir haben viel gemacht, auch wenn die äußeren Bedingungen nicht optimal waren. Aber ich muss mich erst einmal wieder an die Belastung gewöhnen, schließlich habe ich ein halbes Jahr nichts gemacht.

PZ: Ihr Trainer Michael Fuchs meinte, Sie müssten an der Fitness arbeiten.
Kolinger: Da hat er recht. Allerdings werde ich auch nicht mehr den Status erreichen, den ich als 23-Jähriger gehabt habe. Aber ich werde so fit sein, wie es meinem jetzigen Alter entsprechen sollte. Und das geht bei mir auch ganz schnell.

PZ: Das heißt, Sie werden Zusatzschichten einlegen?
Kolinger: Absolut. Wir haben ja mit Oliver Erdmann einen Fitnesstrainer. Mit dem werde ich in den nächsten zwei Wochen ein paar Einheiten machen, damit ich gut in die Rückrunde starten kann.

PZ: Neben wem sitzen Sie eigentlich in der Kabine?
Kolinger: Oh je, ich weiß gar nicht. (überlegt). Ach ja, neben dem Leo (Leutrim Neziraj, Anm. d. Red.) und Andy Trick. Zwischen denen war noch Platz, da habe ich mich einfach reingedrückt (lacht).

PZ: Haben Sie einige Spieler schon vorher gekannt?
Kolinger: Nee, keinen einzigen. Aber die Jungs sind alle super in Ordnung.

PZ: Hat die Mannschaft Ihnen schon einen Spitznamen verpasst?
Kolinger: Das braucht sie nicht. Seit ich ein Jahr alt bin, ruft man mich „Dubi“. Und damit bin ich in ganz Deutschland bekannt.

PZ: Was kann man in der Rückrunde von Ihnen erwarten? Welche Rolle werden Sie spielen?
Kolinger: Auf jeden Fall nicht die Rolle des Starspielers. Das bin ich nicht. Ich bin ein bodenständiger Typ, der sich ganz schnell ans Umfeld anpasst. Meine Aufgabe wird es sein, die jungen Spieler zu führen und ihnen Sicherheit zu geben. Sie sollen merken, dass es jemanden auf dem Platz gibt, auf den sie sich verlassen können, der vorangeht, sowohl im Spiel als auch außerhalb des Platzes.

PZ: Ist der FC Nöttingen besser als nur Mittelmaß in der Oberliga?
Kolinger: Wie ich in der kurzen Zeit mitbekommen habe, gehört die Mannschaft bestimmt nicht auf Platz zehn. Ich sehe uns schon im ersten Drittel der Tabelle.

PZ: Und im Sommer werden Sie den Verein wieder verlassen?
Kolinger: Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich habe erst einmal einen Vertrag bis zum Sommer und dann sehen wir weiter.

PZ: Welche Liga trauen Sie sich denn noch körperlich zu, schließlich sind Sie ja schon 34?
Kolinger: Dass ich nochmal in der ersten oder zweiten Liga spiele, ist eher unwahrscheinlich. Alles andere traue ich mir zu. Mit meiner A-Lizenz kann ich mir aber auch einen Trainerjob vorstellen.

PZ: Gibt es eine Szene aus Ihrer ProfiZeit, an die Sie sich noch gerne erinnern?
Kolinger: Mein Ausgleichstor zum 1:1 mit St. Pauli gegen den 1. FC Nürnberg. 2001. Es ging um den Aufstieg. Wir lagen 0:1 hinten. Andreas Köpke stand im Tor. Wir haben 2:1 gewonnen und sind aufgestiegen. Super Sache.

PZ: Sie haben von 2000 bis 2003 bei St. Pauli gespielt. Stimmt es, dass man Siege am Millerntor hinterher auch mal gerne ausgiebig auf der Reeperbahn feiert?
Kolinger: Das gehört dazu. Wenn man sich auf St. Pauli einlässt, muss man wissen, dass es nach Siegen hinterher auf der Reeperbahn abgeht.

PZ: Das heißt, am nächsten Tag torkeln einige Spieler auch schon mal mit Restalkohol zum Auslaufen?
Kolinger: Für uns galt immer: Wer abends feiern kann, der kann am nächsten Morgen auch wieder im Training Gas geben.

PZ: Erklären Sie doch mal – was ist das Besondere am FC St. Pauli? Was hat Sie fasziniert?
Kolinger: Die Fans, das enge Stadion, die Stimmung überhaupt. Der FC St. Pauli ist eben der Arbeiterverein in Hamburg. Du siehst mittags in der Stadt Leute, die um einen Euro für eine Eintrittskarte betteln. Am nächsten Tag stehen Sie dann im Fan-Block und feuern dich an – das ist der Wahnsinn.

(Quelle: Dominique Jahn, Pforzheimer Zeitung vom 06.02.2010)